Das liebe liebe Geld…. Reich bin ich, ich geh ja mit Frei.Wild und Co. auf Tournee. Zumindest bekomme ich das oft zu hören. Leider ist die Wirklichkeit anders. Ich arbeite ganz normal in der Industrie in einem Betrieb mit drei Schichten. Wenn ich auf Tour gehe nehme ich Urlaub. Ja, ich nehme Urlaub um zu arbeiten. Ich habe das Glück, dass mein Chef es mir meistens ermöglicht zu den Touren Urlaub zu nehmen. In einem Schichtbetrieb nicht ganz einfach wenn man immer ab Donnerstag Urlaub haben möchte. Auch meinen Kollegen habe ich es zu verdanken, dass ich bisher kaum einen Tourtag verpasst habe. Hier mal ein kurzes aber ernst gemeintes DANKE! Wenn ich meine Konzerte als Fan ab 2006 mit meiner Tätigkeit als Crew Mitglied und Fotograf zusammen zähle, habe ich die 150 Frei.Wild Konzerte Marke schon geknackt. Jetzt, wo alles in einer großen Produktion steckt, lohnt es sich auch für mich – keine Frage. Allgemein habe ich der Band zu verdanken, dass ich überhaupt fotografiere. Nach der Tour 2011 kaufte ich mir meine erste Kamera eine Canon EOS 550 und ohne das Geld, welches ich mir dazu verdienen konnte, hätte ich mir die Camera sicher erst viel später gekauft. Von da an ging es los mit den Konzertfotos und dank Holger Fichtner ging es für mich immer weiter voran. Ich glaube seit der England-Tour von Frei.Wild fotografiere ich ausschließlich und hab das verkaufen von T-Shirts anderen überlassen. Im Jahr 2013 folgte meine zweite Kamera, die Canon 7D und erste bessere Objektive. Bei der darauf folgenden Arena-Tour merkte ich dann schnell, dass meine Kameras auf den großen Bühnen einfach abstinken. Völlig frustriert kam ich vom ersten Tourblock nach Hause und haderte mit mir selbst. Ich nahm meinen größten Teil des Ersparten und leistete mir meine Profi-Kamera samt Profi-Objektiv und lies dafür gute 5.000 Euro auf den Tisch. Die Canon 5DIII mit 70-200 2,8 II. Es tat weh, aber spätestens nach dem ersten Schuss aus dem Graben und Blick auf mein Display wusste ich, dass ist das, was ich immer wollte. Man kann auch mit schlechteren Kameras gut fotografieren aber was soll ich um den heissen Brei herumreden: Es hat schon einen Grund warum das Zeug so teuer ist.

ABER:

Das Bild macht noch immer der Fotograf und ich hasse es, wenn jemand sagt: „Na mit der Kamera ist das kein Wunder!“. Es kommt auf Timing, Gefühl und auf den richtigen Schnitt an. Portraits kann auf Konzerten jeder ballern aber Emotionen auf Bilder zu bannen, das ist die Kunst der Konzertfotografie und das kann dir keine Kamera der Welt abnehmen. Zurück zum Geld. Ja ich werde bezahlt aber es sind keine Fantasiesummen sondern marktgerechte Preise. Man muss schon Guido Karp heißen und AC/DC Hausfotograf sein um einen Tagessatz von 5.000 Euro verlangen zu können. Übrigens arbeitet der Mann seit Jahren auf sehr hohem Niveau. Hier mal ein „Chapeau!“ von mir. Sprich, ich bekomme einen Tagessatz der beinhaltet meine Arbeit vor Ort und daheim. Denn die Bilder die ich mache werden von mir ja zu Hause auf dem Rechner verbessert und für die Presse oder Booklets angepasst. Zu 90% wandert mein verdientes Geld wieder in Equipment. Gerade bei der Konzertfotografie leidet die Camera und das Zubehör besonders. Ein Studio-Fotograf muss sicherlich nicht alle paar Monate sein Equipment zum Clean & Check bringen, aber auch das ist nötig und kostet Geld. Wie ihr seht, kann ich allein von der Konzertfotografie nicht leben und daher ist es unumgänglich, dass ich weiterhin ganz normal Arbeite. Ich möchte hier aber nicht jammern, mir geht es gut und ich genieße die Momente auf Tour mit meinen Freunde bzw fast schon Familie und das wiederum ist unbezahlbar.

 

 

Morgen gehe ich dann auf das Equipment ein.

 

Euer Arti